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Datum:   14.02.2001
Ressort:   Blickpunkt
Autor:   Gerd Braune

Das Kind im Netz

Keith Peiris ist zwölf Jahre alt - er ist der Präsident einer kanadischen Internet-Firma und ein Glücksfall für seine geschäftstüchtigen Eltern

OTTAWA, im Februar. In dieser Woche versäumt Keith Peiris den Unterricht. Der zwölfjährige Schüler der katholischen St. Bernadette-Schule in London in der kanadischen Provinz Ontario bereist China. Peiris ist kein kleiner Tourist, er ist Mitglied einer Handelsdelegation, die unter Führung von Kanadas Premierminister Jean Chretien China besucht - denn Keith Peiris ist der Präsident von Cyberteks Design, einer Website-Design-Firma; eines Unternehmens, das Internet-Seiten gestaltet.

"Team Canada" heißen diese Delegationen, die Kanadas Regierung einmal im Jahr für eine Auslandsreise zusammenstellt und deren Teilnehmer den Export fördern mögen. Peking, Schanghai und Hongkong sind Stationen auf dem Programm der dreihundert bis vierhundert Geschäftsleute und Politiker, die in China Kontakte knüpfen sollen. Cyberteks Design wird wohl kaum die Firma sein, die mit den größten Aufträgen nach Kanada zurückkehrt. Aber an Medienwirksamkeit wird das Unternehmen auf dieser Reise ganz sicher alle anderen übertreffen. Denn Keith Peiris ist mit seinen zwölf Jahren das jüngste Delegationsmitglied. Ein Junge, der begleitet wird vom Vizepräsidenten seiner Firma, damit er in China auch rechtskräftige Verträge abschließen kann - der Vizepräsident ist Keiths Vater Deepal Peiris. "Ich glaube, dass ich ein ganz normales Kind bin", sagt der sehr junge Unternehmer über sich selbst. Allerdings ist er ein Kind, das Sätze spricht wie diesen: "Mein Geschäft ist nur eine Ergänzung zu meinem sonstigen Leben."

Keith Peiris wuchs in einer Familie auf, in der Computertechnologie immer schon eine große Rolle gespielt hat: Im Jahr 1981 kamen seine Eltern von Sri Lanka nach Kanada, der Vater arbeitete für Computerunternehmen, die damals gerade neu entstanden. Schon im Alter von drei Jahren begann Keith am Computer zu spielen, als Sechsjähriger installierte er bereits für Freunde und Nachbarn Software. "Es war cool, neue Dinge zu kreieren", sagt Keith Peiris. Bald schon befasste er sich mit Web-Design, der Gestaltung von Internet-Seiten, und gewann mehrere Wettbewerbe.

Dann entstand die Idee, eine eigene Firma zu gründen. Er richtete sie gemeinsam mit seinen Eltern im Erdgeschoss des Wohnhauses der Familie ein. Von hier aus bieten Keith Peiris und sein Vater Deepal, der Vizepräsident, noch heute ihre Produkte an; das Unternehmen gestaltet mittlerweile nicht nur Websites für kanadische, sondern auch für nordamerikanische Firmen. Und der Schüler Keith Peiris beschäftigt fünf Mitarbeiter und unterhält Vertretungen in sieben amerikanischen Städten.

Es ist schwer abzuwägen, wo der Einfluss der Eltern endet und die Initiative des Jungen beginnt. "Es war seine Idee, das Unternehmen zu gründen", sagt der Vater Deepal Peiris über seinen Sohn. Er sagt es mit einem gewissen Nachdruck, da er wohl nicht zum ersten Mal nach seiner Rolle gefragt wird. Selbstverständlich gebe er als Computerfachmann zwar seine Erfahrungen weiter, aber die endgültigen Entscheidungen im Unternehmen treffe Keith. Und der widerspricht nicht, als sein Vater das erzählt. Er sagt nur: "Es ist für mich eine große Ehre, bei dieser Reise nach China dabei zu sein."

Sponsor in eigener Sache

Die Schule, das erwähnen die beiden Geschäftsmänner schließlich noch, dürfe unter dem Business im Netz nicht leiden. Erst kommen die Hausaufgaben, dann der Job, sagen Vater und Sohn. Und dann gibt es noch Eishockey. Keith Peiris ist Torwart bei den London Junior Knights. Es versteht sich, dass die Mannschaft einen Sponsor hat, dessen Logo sie auf den Trikots zeigt: Cyberteks Design.

REUTERS "Ich glaube, dass ich ein ganz normales Kind bin" - Keith Peiris

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